Liviu Jean Manciu "Various Facets" (Eigenproduktion 2005)

"Various Facets" ist ein Sampler diverser Aufnahmen der 4 derzeit aktiven Bands Liviu Jean Mancius. Der 1960 in Reschnitz, Rumänien geborene und 1978 nach Deutschland ausgereiste Autodidakt hatte bereits im Alter von 12 Jahren Gitarre gespielt und mit 16 Jahren einen 1. Preis bei einem Rockwettbewerb gewonnen. In Deutschland sammelte Liviu Jean Manciu Erfahrungen in diversen Bands. Im Laufe der Jahre gab er viele Konzerte in Deutschland, Europa und den USA, seit 1992 gibt es bisher mindestens 12 CD-Veröffentlichungen, die stilistisch ein ebenso weites Feld abstecken, wie das auf "Various Facets" enthaltene Programm.
Mit The Gendrix spielt Manciu Bluesrock, im Duo Ritmico Akustisches, Antares ist ein Latin-Jazz-Ethno Projekt und im Duo Electrissimo spielt Liviu Jean Manciu mit dem Konzertorganisten Walter Dolak klassische Musik. Als Einflüsse führt Manciu Jimi Hendrix, Ritchie Blackmore, Frank Zappa, Django Reinhardt, John McLaughlin und Johann Sebastian Bach auf, die Liste deckt sich überwiegend mit seinen Lieblingskomponisten, denen noch Steve Vai und Chick Corea hinzuzufügen wären.
Die 12 Tracks auf der CD sind rein instrumental und zeigen Liviu Jean Manciu als versierten Techniker, der mit allen Wassern gewaschen ist. Die CD beginnt mit "A rainy day in Paris", einer Manciu Komposition, die akustisch eingespielt wurde. Im Booklet ist nicht angegeben worden, welche Band nun welche Songs gespielt hat, aber das lässt sich an den stilistischen Angaben herausfiltern, so dass davon auszugehen ist, dass er fast 9-minütige Track mit dem Latin-Jazz-Ethno Projekt Antares eingespielt wurde. Die weiten melodischen Linien Mancius werden durch Schlagzeug und Standbass untermauert. Sehr forsch klingt die Komposition, Gitarre und Perkussion improvisieren anmutig, vor allem das ausgedehnte solistische Gitarrenspiel mit der zarten Harmonik ist äußerst ansprechend. Die Bach-Komposition "Allegro" sowie das später folgende, ebenfalls von J. S. Bach komponierte "Prelude" haben eine gewisse Nähe zu dem ehemaligen Scorpions-Gitarristen Uli John Roth, der ähnliche klassische Themen rockmusikalisch interpretiert. Elektrische Gitarre und klassisches Ensemble geben "Allegro" eine besondere Note, bombastischer und eindrücklicher ist "Prelude", das den schweren Orgelklang und die elektrische Gitarre gleichberechtigt zeigt. Manciu improvisiert zum Bachschen Thema, dass ich nicht weiß, ob die Klangfülle mich erfreut oder ängstigt. Zwei Hendrix-Kompositionen sind auf der CD enthalten, das schwere "Spanish castle magic" sowie der fabelhafte Blues "Red House". Erstaunlich nah ist Liviu Jean Manciu hier seinem Vorbild in Gesang und Intonation, weniger in Improvisation.
Von ganz besonderer Faszination jedoch sind die Manciu-Kompositionen, die eher sanft und lyrisch klingen. Das zeigt sich gerade in den lauten Rockern, die es nicht vermögen, die Intensität und emotionale Ausgeglichenheit der leisen Stücke zu erreichen. Das wohl interessanteste Stück von allen 12 auf der CD ist "Balada de la Timis". Von großer Zartheit und unvergleichlicher Lyrik, klingt es wie ein Hauch von Musik, einer Spur nur. Eine grandiose Komposition mit Tiefgang, ein emotionaler Weckruf mit hinreißender Melodielinie der Gitarre und atmosphärischer Rhythmusbegleitung. "Minor Groove" hat wieder diese Qualität, ebenso "Mary had a little lamb" und der Fusionklassiker "Red Baron" von Billy Cobham. Schön schwer und dynamisch ist der harte Bluesrocker "Greyhound blues" mit Gesang und kraftvollem Gitarrensolo. Danach ist "Guitar solo" ein ebensolches; farbenreich, aggressiv hart, lebhaft bis dezent. Das fast sechsminütige, prägnante und improvisativ verschwenderische Stück könnte länger sein, die Vitalität des Solos ist einfach toll.
Die CD ist möglicher Weise nicht kommerziell erhältlich, so kann ich nur auf diverse weitere Veröffentlichungen unter seinem Namen und auf seine Bandprojekte verweisen.

VM



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